Saved in:
Bibliographic Details
Main Author: Dr. Tajani, Larbi
Format: Recurso digital
Language:
Published: Zenodo 2026
Online Access:https://doi.org/10.5281/zenodo.18367739
Tags: Add Tag
No Tags, Be the first to tag this record!
_version_ 1866901547912265728
author Dr. Tajani, Larbi
author_facet Dr. Tajani, Larbi
contents <p><span lang="DE">Die vorliegende Arbeit untersucht interkulturelle und interreligiöse Lernprozesse im <strong>jüdisch-christlich-islamischen Trialog</strong> und analysiert, unter welchen Bedingungen trialogische Begegnungsformate zu Verständigung, Ambiguitätstoleranz und gemeinsamer gesellschaftlicher Verantwortung beitragen können. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass interreligiöser Dialog bislang überwiegend bilateral erforscht wurde, während empirisch fundierte Studien zu explizit trialogischen Lernprozessen weiterhin selten sind.</span></p> <p><span lang="DE">Theoretisch integriert die Arbeit Ansätze aus der interreligiösen Theologie, Religionspädagogik sowie der Friedens- und Konfliktforschung. Zentrale Bezugspunkte bilden u. a. dialogtheoretische Modelle, hermeneutische Offenbarungsverständnisse der drei abrahamitischen Religionen, das Konzept des Weltethos sowie Theorien zu Ambiguität, Identität und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Der Trialog wird dabei als komplexes Beziehungsgefüge verstanden, in dem religiöse Differenzen nicht aufgehoben, sondern reflexiv bearbeitet werden.</span></p> <p><span lang="DE">Methodisch basiert die Untersuchung auf einem <strong>international vergleichenden Mixed-Methods-Design</strong>. In fünf Ländern (Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Israel/Palästina und Türkei) wurden leitfadengestützte Interviews, trialogische Fokusgruppen sowie Feldbeobachtungen durchgeführt. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse unter Einbezug induktiver und deduktiver Kategorienbildung.</span></p> <p><span lang="DE">Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass trialogische Lernprozesse insbesondere drei zentrale Dynamiken fördern:<br>(1) eine dialogische Selbstreflexion religiöser Identität,<br>(2) die Entwicklung von Ambiguitätstoleranz im Umgang mit religiöser Differenz sowie<br>(3) die Herausbildung gemeinsamer ethischer Bezugspunkte, etwa in den Bereichen Menschenwürde, Frieden, Gerechtigkeit und Verantwortung für das Gemeinwohl. Gleichzeitig werden strukturelle Herausforderungen sichtbar, darunter asymmetrische Machtverhältnisse, politische Konfliktüberlagerungen und die gesellschaftliche Instrumentalisierung religiöser Zugehörigkeit.</span></p> <p><span lang="DE">Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass trialogische Prozesse stark von nationalen Religionspolitiken, Mehrheits-/Minderheitskonstellationen und historischen Erfahrungen geprägt sind. Dennoch lassen sich übergreifende Bedingungen gelingenden Trialogs identifizieren, insbesondere geschützte Dialogräume, qualifizierte Moderation, biografisches Erzählen, textbezogene Lernformen sowie langfristige Begegnungsstrukturen.</span></p> <p><span lang="DE">Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass der jüdisch-christlich-islamische Trialog ein hohes Potenzial für interreligiöse Bildung, demokratische Dialogkultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt besitzt, sofern er nicht idealisiert, sondern kontextsensibel, machtkritisch und lernorientiert gestaltet wird.</span></p>
format Recurso digital
id zenodo_https___doi_org_10_5281_zenodo_18367739
institution Zenodo
language
publishDate 2026
publisher Zenodo
record_format zenodo
spellingShingle Von der Begegnung zur gemeinsamen Verantwortung: Interkulturelle und interreligiöse Lernprozesse im jüdisch-christlich-islamischen Trialog
Dr. Tajani, Larbi
<p><span lang="DE">Die vorliegende Arbeit untersucht interkulturelle und interreligiöse Lernprozesse im <strong>jüdisch-christlich-islamischen Trialog</strong> und analysiert, unter welchen Bedingungen trialogische Begegnungsformate zu Verständigung, Ambiguitätstoleranz und gemeinsamer gesellschaftlicher Verantwortung beitragen können. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass interreligiöser Dialog bislang überwiegend bilateral erforscht wurde, während empirisch fundierte Studien zu explizit trialogischen Lernprozessen weiterhin selten sind.</span></p> <p><span lang="DE">Theoretisch integriert die Arbeit Ansätze aus der interreligiösen Theologie, Religionspädagogik sowie der Friedens- und Konfliktforschung. Zentrale Bezugspunkte bilden u. a. dialogtheoretische Modelle, hermeneutische Offenbarungsverständnisse der drei abrahamitischen Religionen, das Konzept des Weltethos sowie Theorien zu Ambiguität, Identität und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Der Trialog wird dabei als komplexes Beziehungsgefüge verstanden, in dem religiöse Differenzen nicht aufgehoben, sondern reflexiv bearbeitet werden.</span></p> <p><span lang="DE">Methodisch basiert die Untersuchung auf einem <strong>international vergleichenden Mixed-Methods-Design</strong>. In fünf Ländern (Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Israel/Palästina und Türkei) wurden leitfadengestützte Interviews, trialogische Fokusgruppen sowie Feldbeobachtungen durchgeführt. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse unter Einbezug induktiver und deduktiver Kategorienbildung.</span></p> <p><span lang="DE">Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass trialogische Lernprozesse insbesondere drei zentrale Dynamiken fördern:<br>(1) eine dialogische Selbstreflexion religiöser Identität,<br>(2) die Entwicklung von Ambiguitätstoleranz im Umgang mit religiöser Differenz sowie<br>(3) die Herausbildung gemeinsamer ethischer Bezugspunkte, etwa in den Bereichen Menschenwürde, Frieden, Gerechtigkeit und Verantwortung für das Gemeinwohl. Gleichzeitig werden strukturelle Herausforderungen sichtbar, darunter asymmetrische Machtverhältnisse, politische Konfliktüberlagerungen und die gesellschaftliche Instrumentalisierung religiöser Zugehörigkeit.</span></p> <p><span lang="DE">Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass trialogische Prozesse stark von nationalen Religionspolitiken, Mehrheits-/Minderheitskonstellationen und historischen Erfahrungen geprägt sind. Dennoch lassen sich übergreifende Bedingungen gelingenden Trialogs identifizieren, insbesondere geschützte Dialogräume, qualifizierte Moderation, biografisches Erzählen, textbezogene Lernformen sowie langfristige Begegnungsstrukturen.</span></p> <p><span lang="DE">Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass der jüdisch-christlich-islamische Trialog ein hohes Potenzial für interreligiöse Bildung, demokratische Dialogkultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt besitzt, sofern er nicht idealisiert, sondern kontextsensibel, machtkritisch und lernorientiert gestaltet wird.</span></p>
title Von der Begegnung zur gemeinsamen Verantwortung: Interkulturelle und interreligiöse Lernprozesse im jüdisch-christlich-islamischen Trialog
url https://doi.org/10.5281/zenodo.18367739