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| Main Author: | |
|---|---|
| Format: | Recurso digital |
| Language: | German |
| Published: |
Zenodo
2026
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| Subjects: | |
| Online Access: | https://doi.org/10.5281/zenodo.18450879 |
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Table of Contents:
- <p>Dieser Text untersucht ein kulturell tief verankertes Verständnis von Leid, das in der heutigen deutschen Gesellschaft weitgehend als säkular, vernünftig oder alternativlos gilt, dessen historische Wurzeln jedoch in einem bestimmten – problematischen – Verständnis des Christentums liegen. Im Zentrum steht die These, dass sich über Jahrhunderte hinweg eine Spiritualisierung des Leidens ausgebildet hat, in der Gewalt, Überforderung und Zumutung nicht mehr klar unterschieden, sondern religiös oder moralisch umgedeutet wurden.</p> <p>Ausgehend von einer kulturphilosophischen und ethischen Analyse wird gezeigt, dass diese Leidverklärung nicht den Kern des Christentums widerspiegelt, sondern aus einer Verformung hervorgegangen ist, in der Theologie, Frömmigkeit und Macht ineinandergriffen. Der Text unterscheidet zwei Linien innerhalb der christlichen Mystik: eine Traditionslinie sakralisierter Passivität, in der Leid als von Gott gewollt oder heiligend interpretiert wird, und eine oft überhörte, radikalere Linie der Grenze und des Widerstands. In dieser zweiten Linie – vertreten u. a. durch Meister Eckhart, Marguerite Porete, Angelus Silesius und eine mystische Lesart Jesu – erscheint Gott nicht als Rechtfertiger von Gewalt, sondern als Instanz des Nein gegenüber dem Unzulässigen.</p> <p>Ein zentraler Bestandteil des Textes ist ein poetisch-ethischer „Gegenpsalm“, der explizit die religiöse und kulturelle Praxis zurückweist, Leid mit Sinn zu versehen, und stattdessen Klarheit, Grenze und Leben in den Mittelpunkt stellt. Ergänzt wird dies durch eine erzählerische Verdichtung sowie ein Nachwort, das die gesellschaftlichen Folgen der Leid-Spiritualisierung bis in die Gegenwart hinein analysiert – etwa in Arbeitskultur, Schuldnarrativen, Individualisierung von Überforderung und der Abwertung des Nein.</p> <p>Der Text versteht sich nicht als dogmatische Theologie, sondern als Beitrag zur philosophischen, ethischen und kulturkritischen Selbstverständigung. Er richtet sich an Leserinnen und Leser aus den Bereichen Philosophie, Religionswissenschaft, Kulturwissenschaft, Ethik sowie an alle, die an der Klärung historisch wirksamer Denkmuster interessiert sind.</p>