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| Format: | Recurso digital |
| Language: | |
| Published: |
Zenodo
2026
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| Online Access: | https://doi.org/10.5281/zenodo.19845355 |
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Table of Contents:
- <p class="Vordrucktext"><span>Das Projekt untersuchte aus kulturhistorischer Perspektive die Beziehung zwischen handgreiflichen Praktiken des Kämpfens und ihrer Diskursivierung, Didaktisierung und Medialisierung im Spätmittelalter. Der Fokus lag auf der Herausbildung einer spezifischen Fachschriftlichkeit, den sogenannten Kampfbüchern, die detaillierte Informationen zur Ausführung komplexer Körpertechniken des Kämpfens als Bestandteil von praktischen Kunstlehren überliefern. Im europäischen Kontext wurden Körperbewegungen und Körper-Artefakt-Interaktionen damit erstmalig in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zum Gegenstand einer systematischen Bewegungsnotation im Rahmen einer Buchkultur. </span></p> <p class="Vordrucktext"><span>Im Projekt wurden die Kampfbücher aus praxeologischer Perspektive als Spuren vielschichtiger Praktiken des interpersonalen Kämpfens untersucht, die sowohl didaktische und einvernehmlich-agonale als auch sozial disruptive Kontexte umfassten. Diese Perspektive erlaubte es, die zeitgenössische Hervorbringung von „Kämpfen“ als diskursivem Wissensobjekt herauszuarbeiten, an der auch das Anlegen umfangreicher schriftlicher Aufzeichnungen maßgeblichen Anteil hatte. Ausgewertet wurde hierzu das vollständige Korpus aller ca. 1320–1600 im deutschen Sprachraum entstandenen handschriftlichen und gedruckten Kampfbücher und Kampfbuch-Texte (n = 98), das zugleich in einer Open-Access-Datenbank erschlossen und veröffentlicht wurde (<a href="https://fightbooks.uni-trier.de/">https://fightbooks.uni-trier.de</a>). </span></p> <p class="Vordrucktext"><span>Als spezifisches Sonderwissen waren die aufgezeichneten Kunstlehren des Kämpfens dabei zentral für die Expertenrolle der Fechtmeister im Heiligen Römischen Reich, die sich im Verlauf des 15. Jahrhunderts als reichsweit agierende Bruderschaft institutionalisierten. Die Analyse zeigte zudem, dass die heutige Überlieferungsstruktur der Kampfbücher einem Survivorship Bias unterliegt. Die Mehrzahl der praktischen Experten der Kampfkunst entstammte einem städtischen und handwerkerbürgerlich dominierten Milieu, in dem zur Aufzeichnung der praktischen Kunstlehren mehrheitlich lose Zettelsammlungen oder einfache Hefte zum Einsatz kamen. Diese Texte haben sich aufgrund der schlechten Überlieferungschance jedoch nur in Einzelfällen erhalten, während das heutige Bild der Kampfbücher von den reich illustrierten Kodizes dominiert wird, die im Kontext adeliger Patronage für ein höfisches Publikum angefertigt wurden.</span></p> <p class="Vordrucktext"><span>Ein zusätzliches Ergebnis betrifft die Dominanz der Lehre des Fechtmeisters Johannes Liechtenauer im deutschsprachigen Korpus. Es konnte gezeigt werden, dass zwei Drittel der erhaltenen Zeugnisse im Korpus einen direkten oder indirekten Bezug zu seiner Lehre aufweisen. Dieser Befund lässt sich erstmals überzeugend mit der korporativen Organisation der Fechtmeister im Reich erklären. Als „Meister des Schwerts“ – auch bekannt als Marxbrüder, benannt nach dem Evangelisten Markus als ihrem Schutzpatron – besaßen diese seit ihrer Privilegierung durch Kaiser Friedrich III. im Jahr 1487 das Monopol auf bezahlten Fechtunterricht und die Vergabe des Meistertitels, wobei sich die praktische Prüfung nachweislich an Techniken aus dem liechtenauerschen Curriculum orientierte. Die im europäischen Vergleich früh einsetzende Verschriftlichung der Kampfkunst im Reich verlief damit parallel zu einem Prozess der Professionalisierung des Fechtwesens, der sich im Verlauf des 15. und 16. Jahrhunderts in den großen Städten und unter enger Anbindung an den kampfkunstaffinen Adel vollzog.</span></p>